GwG-Weiterbildung: 16 Jahresstunden, aber welche? Konkreter Katalog pro Profil
GwG-Verantwortliche, Partner, Mitarbeiter mit Kundenkontakt: wer welche Weiterbildung absolvieren muss, wo und wie für das SRO-Audit nachweisen. Schlüsselfertiger Jahresplan.
GA
Greg Annas
Mitgründer BeGenerous Digital
Das SRO-Audit prüft systematisch die GwG-Weiterbildung. Doch die Pflicht bleibt für viele Treuhandbüros unklar: wie viele Stunden, zu welchen Themen, bei welchen Anbietern, und wie nachweisen. Hier ein Katalog pro Profil, validiert durch die Praxis von OAR-G, OARFG und Treuhand Suisse 2026.
TL;DR — Stundenmindestvolumen pro Profil
GwG-Verantwortliche und Geschäftsleitung: 8h/Jahr Minimum
Mitarbeiter mit Kundenkontakt: 4h/Jahr Minimum
Treuhandbüro 6 Personen Durchschnitt: ~32h/Jahr dokumentierte Weiterbildung
Freies Format, aber Rückverfolgbarkeit obligatorisch (Datum, Dauer, Thema, Bescheinigung)
1. Der regulatorische Rahmen (was obligatorisch ist)
Keine GwG-Bestimmung legt ein präzises Stundenvolumen fest. Die Pflicht ergibt sich aus Art. 8 GwG (Organisation und Schulung), interpretiert durch SROs. Konsolidierte Praxis 2026:
GwG-Verantwortlicher: 8h/Jahr, davon 4h zu jüngsten regulatorischen Entwicklungen
Partner und Geschäftsleitung: 8h/Jahr (gleiche Basis wie GwG-Verantwortlicher)
Mitarbeiter mit Kundenkontakt: 4h/Jahr Minimum
Backoffice-Mitarbeiter ohne Kundenkontakt: 2h/Jahr empfohlen
Das Ziel ist nicht das Volumen selbst. Es ist sicherzustellen, dass alle Akteure des Treuhandbüros ein aktuelles Wissensniveau halten. Ein Treuhandbüro, das 20h/Jahr eines Mitarbeiters und 0h der anderen macht, wird beanstandet.
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Diese Organisationen stellen nach jeder Session eine offizielle Bescheinigung aus. Das ideale Format fürs Audit: Der Prüfer erkennt sofort den Anbieter und die Dauer.
Universitäten und Hochschulen
HES-SO Genf — CAS Compliance & Risk: 12 ECTS über 6 Monate
ETH Zürich — Continuing Education in AML: kurze Module auf Deutsch
HSG (St. Gallen) — Executive in Financial Services: integriert GwG
Diese Formate sind anspruchsvoller, aber hochangesehen. Ideal für einen GwG-Verantwortlichen, der über 2-3 Jahre in Expertise wachsen will.
Fachkonferenzen
GwG-Forum Schweiz (jährlich, Zürich)
AML Suisse (organisiert vom Schweizer Verband gegen Finanzkriminalität)
FATF-Forum Schweiz (auf Einladung)
Diese Konferenzen sind 4-8h Weiterbildung wert und haben den Vorteil, internationale Entwicklungen zu präsentieren (FATF, europäische Empfehlungen, US-Jurisprudenz).
3. Der interne Katalog — was auch gilt
Viele Treuhandbüros denken fälschlicherweise, nur externe Schulungen zählten. Interne Sessions werden vollkommen akzeptiert, wenn sie sind:
Vom GwG-Verantwortlichen oder einem qualifizierten Referenten geleitet
Von Teilnehmenden unterschrieben (Anwesenheitsliste + Selbsterklärung)
Beispiele gültiger interner Sessions:
Quartalsweise Überprüfung der internen MROS-Fälle (1-2h, anonymisiert)
Präsentation der OAR-G-Entwicklungen 2026 durch den GwG-Verantwortlichen (1h)
Praktische Session: Anwendung der 12 Risikokriterien auf reale Dossiers (2h)
Kommentierte Lesung eines markanten FINMA-Falls (1h)
Für ein 6-Personen-Treuhandbüro deckt eine interne Session von 2h × 4 pro Jahr bereits 8h kollektive Weiterbildung ab. Budgetär sehr effizient.
4. Typischer Jahresplan für ein Treuhandbüro 6-8 Personen
Januar — Jahresrahmung
Interne Session 2h: "GwG-Entwicklungen 2026 und Auswirkung auf unsere Workflows"
Alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt (5 Personen × 2h = 10h)
März — GwG-Verantwortlichen-Spezialisierung
GwG-Verantwortlicher: SRO-Webinar zu "Risikoprofile Vertragspartner" (4h)
GwG-Verantwortlicher: Treuhand-Suisse-Tag zu "Internationale Sanktionen 2026" (6h)
Juni — Kantonale Entwicklungen
Alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt: OAR-G-Webinar "Kantonale Risiken Genf/Waadt" (2h)
September — Praktische Fälle
Interne Session 3h: Analyse von 5 anonymisierten Dossiers (Vertragspartner mit hohem Risiko, hypothetisches MROS, etc.)
Alle Mitarbeiter (5 × 3h = 15h)
November — Audit-Vorbereitung
Interne Session 2h: "Was wird das SRO-Audit prüfen?"
Alle Mitarbeiter (5 × 2h = 10h)
Jahresgesamt: 47h dokumentierter Weiterbildung für ein 6-Personen-Treuhandbüro. Weit über dem Minimum.
Die Falle der 'Fall-zu-Fall'-Schulung
Viele Treuhandbüros warten, bis ein Fall auftritt, um zu schulen. Ergebnis: Ein SRO-Audit Mitte Jahr findet sie mit 0h dokumentiert. Der vorab erstellte Jahresplan (und im Januar intern veröffentlicht) schützt.
5. Wie nachweisen (das Minimum)
Für jede Session aufbewahren:
| Feld | Warum |
|---|---|
| Mitarbeitername | SRO-Audit kontrolliert pro Person |
| Datum | Muss in der überprüften Periode sein |
| Dauer (Stunden) | Geprüfte jährliche Gesamtsumme pro Profil |
| Thema | Mindestens ein Hauptthema |
| Format | Webinar / Präsenz / intern / Kurs |
| Anbieter | SRO / Uni / intern |
| Bescheinigung | PDF oder unterschriebene Selbsterklärung |
Das Aufzeichnungsformat ist unwichtig (Excel-Tabelle, Notion, SharePoint, dediziertes Tool). Wichtig ist, dass man die jährliche Bilanz eines Mitarbeiters in weniger als 2 Minuten während des Audits exportieren kann.
6. Häufige im Audit gesehene Fehler
"Wir haben es gemacht, aber nicht dokumentiert": gleichbedeutend mit nicht gemacht
Familiäre Kumulation: "Greg hat 16h gemacht, also ist das Treuhandbüro OK" — nein, jeder Mitarbeiter hat seine Pflicht
Nicht-GwG-Schulung gezählt: Ein Kurs "Excel fortgeschritten" zählt nicht für GwG
Verlorene Bescheinigung: Falls Sie den Beweis nicht erbringen können, kann der Prüfer das Zählen verweigern
Nicht dokumentierte interne Sessions: Falls man nicht weiss, wer was geleitet hat, ist es ungültig
7. Wie viel kostet das pro Jahr (realistisches Budget)
Zur Erinnerung: Eine SRO-Beanstandung für unzureichende Weiterbildung kann zu Bussen führen und die Reputation des Treuhandbüros beeinträchtigen. Der ROI ist sofort.
Dokumentierte Weiterbildung in FidUp
FidUp beinhaltet ein Weiterbildungsmodul pro Mitarbeiter: Registrierung der Sessions (extern oder intern), Upload der Bescheinigungen, Verfolgung des jährlichen Stundenvolumens pro Profil, Alerts falls Mitarbeiter dem Minimum nähert. Export in 1 Klick fürs SRO-Audit.
GwG-Weiterbildung ist keine administrative Pflicht. Sie ist das, was ein Treuhandbüro fähig hält, einen ungewöhnlichen Fall zu erkennen, wenn er auftritt. Ein im Januar veröffentlichter Jahresplan ist tausend Erinnerungen im November wert.